„Literatur Jetzt!“ beginnt am Sonntag mit Lesung von Herta Müller

Mit Herta Müller begrüßt das Festival Literatur Jetzt! 2016 zur Eröffnung am Sonntag (6. November) eine Autorin von Weltrang, die für ihre Romane, Gedichte und Essays im Jahr 2009 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde – für ein Schreiben, das „mittels der Verdichtung der Poesie und der Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit“ zeichne, so die offizielle Begründung der Stockholmer Akademie. In ihrem umfangreichen Werk hat Herta Müller wie kaum eine andere zeitgenössische literarische Stimme die Grenzen des Unsagbaren geweitet. Und sie hat aufgezeigt, wozu poetische Sprache imstande ist – welche rettenden, subversiven, spielerischen aber auch zerstörerischen Kräfte ihr innewohnen.

 

Die rettende Kraft der Sprache thematisiert die 1952 im rumänischen Banat geborene und nach anhaltender Verfolgung und Schikanierung durch die Securitate 1987 nach Deutschland ausgewanderte Autorin in ihrem Roman „Atemschaukel“. Die literarische Verarbeitung der GULAG-Erlebnisse Dichterkollegen Oskar Pastior nimmt den Leser mit in ein Niemandsland, in dem Sprache die letzte Nahrung ist. Ganz anders – nämlich leicht und verspielt –  präsentiert sich Herta Müller in dem Collagenband „Vater telefoniert mit den Fliegen“: Das poetische Puzzle aus Zeitungsausschnitten ist mit der Schere gedichtet und spürt dem Zauber der Rekombination gefundener Wörter nach.

 

Herta Müller liest Passagen aus verschiedenen Bänden ihres umfassenden Werkes, sowohl Prosatexte als auch Gedichte. Im Gespräch mit ihrem langjährigen Weggefährten Ernest Wichner spricht sie u. a. darüber, ob und wie man für den Schrecken eine Sprache finden kann – und warum der „Worthunger“ für Menschen mit Diktaturerfahrung oft das einzig wirksame Gegengift gegen die Lebensangst ist.

 

Herta Müller: „Ich brauchte jeden Tag dringend die Schönheit der Sätze“ – Lesung und Gespräch | 6. November | Sonntag | 19 Uhr | Deutsches Hygiene-Museum, Großer Saal | Eintritt im Vorverkauf (zzgl. Gebühren)/Abendkasse: 15/10 Euro

 

Foto von Herta Müller: Steffen Giersch