Sonnabend, 19. September: Heike Geißler liest aus „Saisonarbeit“

Die Leipziger Schriftstellerin Heike Geißler präsentiert am Sonnabend (19. September) ihr Buch „Saisonarbeit“, einen literarischen Erlebnisbericht aus der schönen neuen Arbeitswelt.

Saisonkraft bei „Amazon“ – für die Autorin und Übersetzerin in Geldnot ist es ein Moment der Misere, für alle anderen ein literarischer Glücksfall. Denn was in den Wochen vor Weihnachten entsteht, ist vieles zugleich: Ein Erfahrungsbericht, der ebenso persönlich wie politisch ist. Kritik an den Verhältnissen mit den Mitteln der Selbstironie. Der Blick in eine Halle, die von der Außenwelt abgeschottet ist und gerade deshalb viel über sie verrät. In „Saisonarbeit“ geht es um Empfindlichkeit und das Politische des Empfindlichen. Es geht um die Arbeit bei „Amazon“ und darum, dass mit dieser Arbeit und vielen Sorten Arbeit grundsätzlich etwas faul ist. Nicht zuletzt auch um Bücher und was sie uns bedeuten können.

Pressestimmen: „Dieses Buch hat Kraft, es packt den Leser, denn es ist engagiert geschrieben, so engagiert wie lange keines mehr.“ (Rheinische Post); „Ein wichtiges Buch und ein im Innersten schönes.“ (Leipziger Volkszeitung)

Heike Geißler: Saisonarbeit | 19. September | Sonnabend | 19:30 Uhr | Zentralwerk (Riesaer Str. 32) | Vorverkauf: 7/4 Euro, Abendkasse 8/6 Euro (Kombiticket mit Lesung von Anke Stelling: 10/6 Euro)

Sonnabend, 19. September: Anke Stelling liest aus „Bodentiefe Fenster“

Anke Stelling liest am Sonnabend (19. September) aus ihrem aktuellen Roman „Bodentiefe Fenster“ (Verbrecher Verlag), der für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert wurde.

Von den 68er-Müttern im Aufbruch hat eine Töchtergeneration den Auftrag erhalten, die Welt zu verbessern – das Waldsterben und die Aufrüstung zu stoppen, ein Zimmer für sich allein zu haben, gemeinsam stark zu sein –, und diesen Auftrag kann Sandra nicht vergessen. Mit vierzig Jahren und als Mutter zweier Kinder ist aus ihr eine Art Kassandra vom Prenzlauer Berg geworden. Sie sieht, dass die Ideale der Elterngeneration im Alltag verloren gehen, auf dem Spielplatz versanden, im Plenum der Hausgemeinschaft ad absurdum geführt werden. Alles auszusprechen, ist offenbar keine Lösung, weggehen kann sie jedoch auch nicht, außerdem genießt sie ihre Privilegien. Sie feiert die Kindergeburtstage wie früher, wie Pippi Langstrumpf, doch der Kern der Utopie ist nicht mehr da. Und die bodentiefen Fenster machen den Alltag allzu durchsichtig. Am Ende von Anke Stellings Roman, der in schöner Sprache Bitterböses erzählt, geht es ins Müttergenesungswerk: „Damit Mama wieder lacht.“ Bodentiefe Fenster – bodenlose Gegenwart. Die Lesung moderiert Matthias Teiting.

Pressestimmen: „Dank des unerbittlichen Blicks und trockenen Humors der Autorin hält der Roman wunderbar die Balance zwischen Erschrecken und Vergnügen. Gegenwartsliteratur im buchstäblichen und besten Sinn.“ (MDR Figaro); „Was Bodentiefe Fenster zu einem herausragenden Buch macht, ist die Weise, wie hier eine Erzählstimme versucht, zu einem anderen Sprechen und damit einer neuen Form von Identität und Gemeinschaft zu gelangen.“ (ZEIT Online)

Anke Stelling: Bodentiefe Fenster | 19. September | Sonnabend | 21 Uhr | Zentralwerk (Riesaer Str. 32) | Vorverkauf: 7/4 Euro, Abendkasse 8/6 Euro (Kombiticket mit Lesung von Heike Geißler: 10/6 Euro)

Sonntag, 20. September: Daniel Defoe – „Libertalia. Die utopische Piratenrepublik“ mit Helge Meves

Helge Meves liest am Sonntag (20. September) im Kunsthaus Dresden (Rähnitzgasse 8) aus dem von ihm herausgegebenen Buch „Libertalia. Die utopische Piratenrepublik“ von Daniel Defoe und diskutiert über Piratenromantik und Piratenutopien mit Moderator Michael Bittner.

Jeder kennt die Welt der Piraten als abenteuerliches Universum aus Holzbein, Säbelkampf und Totenkopfflagge – verwegene Gestalten schillernd zwischen edlen Helden und brutalen Räubern. Doch nur wenige wissen, dass viele Seeräuber fortschrittliche Vorstellungen hatten. Diese spiegeln sich auch in Daniel Defoes 1728 erschienen Bericht über die Piratenrepublik „Libertalia“ auf Madagaskar wider. Defoe schildert die Geschichte des abenteuerlustigen Edelmanns Misson aus Frankreich und des desillusionierten italienischen Priester Caraccioli, die mit dem englischen Piraten Tew eine auf Toleranz, gerechter Verteilung von Besitz und radikaler Demokratie beruhende Piratenbruderschaft gründen. Zusammen befreien sie Sklaven aus der Gefangenschaft und bauen sie sich mit Seeleuten, Madegassen und Migranten aus aller Welt eine alternative Gesellschaft inmitten der Zeit der Glaubenskriege, des grandiosen Beutekapitalismus, der sogenannten ursprünglichen Akkumulation – und weit hinausweisend über die Fortschritte, die mit der amerikanischen und französischen Revolution fast hundert Jahre später erreicht wurden.

Pressestimmen: „eine Kostbarkeit“ (Bayrischer Rundfunk), „Ein Buch wie eine Schatzkiste voll glänzender Perlen der Erkenntnis.“ (mare), „Eine wunderbare Ausgrabung, eine tolle Story, ein sehr gutes piratenkundiges Nachwort.“ (Hessischer Rundfunk)

Daniel Defoe: „Libertalia – die utopische Piratenrepublik“. Lesung und Gespräch mit Herausgeber Helge Meves | 20. September | Sonntag | 20 Uhr | Kunsthaus Dresden (Rähnitzgasse 8) | Vorverkauf: 7/4 Euro, Abendkasse 8/6 Euro

„Literatur Jetzt!“ 2015 – das Programm im Überblick

„Literatur Jetzt!“, das Dresdner „Festival zeitgenössischer Literatur“ findet zum siebten Mal vom 15. bis 20. September 2015 statt. In diesem Jahr bietet es unter dem Titel „Neue Welten“ jenen Autorinnen und Autoren ein Forum, die über den Tellerrand von Heimat und Gegenwart blicken – in kommende Zeiten, fantastische Welten oder zu entdeckende Regionen der Erde. Zu Wort kommen sollen politische Schriftsteller, die nicht das Ende der Geschichte gekommen sehen, sondern Entwürfe einer besseren Gesellschaft wagen. Außerdem werden Poeten vorgestellt, die mit der Sprache selbst Experimente unternehmen und innovative Wege des Publizierens beschreiten. Schließlich widmet sich das Festival auch jenen Dichtern, die sich von ihrer Heimat verabschiedet haben, um in der Fremde ihren Traum eines besseren Lebens zu verwirklichen.

Hier eine Übersicht über alle Veranstaltungen – ausführliche Informationen finden Sie auf der Seite: Programm.

Nino Haratischwili: Das achte Leben (Für Brilka) | 15. September | Dienstag | 20 Uhr | Lipsius-Bau der SKD (Brühlsche Terrasse) | Vorverkauf: 7/4 Euro, Abendkasse 8/5 Euro

Camus – Philosoph des Absurden. Iris Radisch über Leben und Werk von Albert Camus | 16. September | Mittwoch | 20 Uhr | Deutsches Hygiene-Museum (Lingnerplatz 1) | Vorverkauf und Abendkasse: 9/5 Euro

Westbam: Die Macht der Nacht | 16. September | Mittwoch | 20 Uhr | scheune (Alaunstraße 36-40) | Vorverkauf: 12/8 Euro, Abendkasse 15/10 Euro

Nacht der Lesebühnen: Paul Bokowski, Kirsten Fuchs, Roman Israel und Volker Strübing | 17. September | Donnerstag | 20 Uhr | scheune (Alaunstraße 36-40) | Vorverkauf: 7/5 Euro, Abendkasse 8/6 Euro

Lyrik ist Happening. Poetry Jam mit Anne Munka, Andre Rudolph, Rike Scheffler  | 18. September | Freitag | 20 Uhr | Zentralwerk (Riesaer Str. 32) | Vorverkauf: 7/4 Euro, Abendkasse 8/6 Euro

Heike Geißler: Saisonarbeit | 19. September | Sonnabend | 19:30 Uhr | Zentralwerk (Riesaer Str. 32) | Vorverkauf: 7/4 Euro, Abendkasse 8/6 Euro (Kombiticket mit Lesung von Anke Stelling: 10/6 Euro)

Anke Stelling: Bodentiefe Fenster | 19. September | Sonnabend | 21 Uhr | Zentralwerk (Riesaer Str. 32) | Vorverkauf: 7/4 Euro, Abendkasse 8/6 Euro (Kombiticket mit Lesung von Heike Geißler: 10/6 Euro)

Daniel Defoe: „Libertalia – die utopische Piratenrepublik“. Lesung und Gespräch mit Herausgeber Helge Meves | 20. September | Sonntag | 20 Uhr | Kunsthaus Dresden (Rähnitzgasse 8) | Vorverkauf: 7/4 Euro, Abendkasse 8/6 Euro

„Literatur Jetzt!“ – Dresdner Festival zeitgenössischer Literatur vom 15. bis 20. September 2015

Die Gegenwart ist beherrscht von katastrophalen militärischen Konflikten und leidenschaftlichen öffentlichen Debatten. Für die Kultur scheint eine solche Zeit vor allem bedrohlich, doch bietet sie auch Chancen, da doch oft „in den wildesten Kriegs- und Parteistürmen die Kunst ihre herrlichsten Blüten entfaltete“, wie Heinrich Heine einmal bemerkte. Allerdings entpuppen sich die Konflikte der Gegenwart bei näherer Betrachtung zumeist nur als rohe Machtkämpfe oder als Streitigkeiten um die Sicherung von Besitzständen. Nicht nur konservative, sondern auch sich selbst als fortschrittlich verstehende Gruppen sind zurzeit vor allem mit der Verteidigung des Bestehenden beschäftigt: Den einen scheint die abendländische Kultur und die nationale Identität bedroht, den anderen die Demokratie und die europäische Idee. Projekte, die nicht in Vergangenheit und Gegenwart verharren, sondern sich auf die Zukunft richten, sind hingegen kaum mehr zu finden. Utopien gelten den meisten als illusionär, wenn nicht gar gefährlich. Menschen, die Visionen haben, wird mit den Worten Helmut Schmidts geraten, schleunigst einen Arzt aufzusuchen.

„Literatur Jetzt!“, das „Dresdner Festival zeitgenössischer Literatur“ will im Jahr 2015 unter dem Titel „Neue Welten“ jenen Autorinnen und Autoren ein Forum bieten, die über den Tellerrand von Heimat und Gegenwart blicken – in kommende Zeiten, fantastische Welten oder zu entdeckende Regionen der Erde. Zu Wort kommen sollen politische Schriftsteller, die nicht das Ende der Geschichte gekommen sehen, sondern Entwürfe einer besseren Gesellschaft wagen. Außerdem werden Poeten vorgestellt, die mit der Sprache selbst Experimente unternehmen und innovative Wege des Publizierens beschreiten. Schließlich widmet sich das Festival auch jenen Dichtern, die sich von ihrer Heimat verabschiedet haben, um in der Fremde ihren Traum eines besseren Lebens zu verwirklichen.

Nähere Informationen zum Programm und den Autoren folgen in Kürze.

Rückblick: „Literatur Jetzt“ 2014

Zum sechsten Mal fand vom 11. bis 21. September 2014 „Literatur Jetzt!“, das „Dresdner Festival zeitgenössischer Literatur“ statt. In diesem Jahr widmete es sich dem ebenso aktuellen wie zeitlosen Thema „Zorn“. Mehr als 1000 Zuschauer besuchten die acht Veranstaltungen des Festivals, an dem fast 30 zeitgenössische Autoren, Musiker und Künstler mitwirkten. Organisiert wurde das Literaturfest wieder vom livelyriX e.V. in Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern. Förderer waren erneut die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Landeshauptstadt Dresden und der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank. Die Programmgestaltung und Organisation lag in den Händen von Michael Bittner (Autor), Leif Greinus (Verlag Voland & Quist), Ludwig Henne (Kulturmanager), Helge Pfannenschmidt (Verlag edition AZUR) und Volker Sielaff (Autor).

Vom 11. bis zum 20. September war im Rahmen des Festivals „Literatur Jetzt!“ in der Neustädter Markthalle die Graphic-Novel-Ausstellung „KafKa in KomiKs“ zu sehen. In der Ausstellung wurden die künstlerischen Auseinandersetzungen von Robert Crumb, Chantal Montellier sowie von Jaromir 99 mit Franz Kafka präsentiert. Kuratiert wurde die Schau von dem Hörspiel- und Graphic-Novel-Autor David Zane Mairowitz, für Design und Produktion waren die Grafikagentur Gold & Wirtschaftswunder bzw. das Literaturhaus Stuttgart verantwortlich. Die Ausstellung machte das Zusammenschmelzen von Realität, Visionen und Alpträumen in Kafkas Werk plastisch erlebbar und zeigte Kafkas Suizidgedanken wie seine auf sich selbst bezogene Wut. Damit behandelte die Ausstellung eine Facette des diesjährigen Themas des Literaturfestivals: den Zorn. Zur Eröffnung führte der Schriftsteller Jaroslav Rudis in die Ausstellung ein. Außerdem spielten Jaromir 99 und seine Kafka-Band einige Songs unplugged. Nach der bereits gut besuchten Eröffnung sahen in nur einer Woche fast 500 Menschen die Ausstellung, darunter auch mehrere Schulklassen.

Am 16. September waren beim Festival „Literatur Jetzt!“ in Kooperation mit dem Deutschen Hygiene-Museum die Berliner Autorin Katja Lange-Müller und der schwedische Schriftsteller griechisch-österreichischer Abstammung Aris Fioretos zu Gast. Vor etwa 50 Gästen unterhielten sie sich über Muttersprachen und den „ausländischen Vater“. Katja Lange-Müller stellte einen Auszug aus einem in Arbeit befindlichen neuen Roman unter dem Titel „Drehtür“ vor, in dem es um eine nach Jahrzehnten aus Nicaragua zurückkehrende Krankenschwester geht, für die ihr Herkunftsland fremder (geworden) ist als das Land, in dem sie lange als „Aufbauhelferin“ tätig war. Aris Fioretos las aus seinem Roman „Die halbe Sonne“, der, aus der Perspektive des Sohnes, das Bild eines Vaters rückwärts von dessen Tod bis zur Geburt des Sohnes erzählt. Der Dresdner Schriftsteller Marcel Beyer, der für den erkrankten Moderator Prof. Walter Schmitz spontan eingesprungen war, moderierte den hochinteressanten Abend.

Am 17. September veranstaltete „Literatur Jetzt!“ im Jazzclub Tonne die traditionelle Lyriknacht vor etwa 50 Gästen. Der Berliner Dichter Tom Schulz eröffnete den Abend, er las Gedichte aus allen Phasen seines Schaffens und allen Bänden seines Werkes, so auch dem zuletzt erschienenen Buch „Innere Musik“. Im zweiten Programmteil ergänzten sich die beiden auch privat befreundeten Leipziger Thomas Kunst und Fabian Schütze aka Me and Oceans. Thomas Kunst las Gedichte aus seinem aktuellen Band „Die Arbeiterin auf dem Eis“ sowie unveröffentlichte Prosatexte. Me and Oceans begeisterte das Publikum mit Liedern, in denen elektronische Klänge, ausdrucksvoller Gesang und poetische Texte eine reizvolle Mischung eingingen.

Am 18. September fand die traditionelle „Nacht der Lesebühnen“ mit Autoren aus dem Bereich der satirischen und komischen Literatur vor etwa 70 Zuschauern in der scheune statt. Passend zum Thema des diesjährigen Festivals widmeten sich die Lesebühnenautoren vorwiegend dem Zorn. Ahne von der „Reformbühne Heim & Welt“ aus Berlin ließ in einem seiner beliebten „Zwiegespräche mit Gott“ seiner Wut über allgegenwärtige Verschwörungen freien Lauf. Die Leipziger Poetin Linn Penelope Micklitz hingegen verweigerte sich in ihren bildhaften Texten über das Familienleben dem Zorn und spürte eher psychsischen Verwerfungen nach. Der Oberlausitzer Autor Udo Tiffert pflegte in seinen Texten durchaus den stillen Zorn und ging beispielsweise mit der Unberechenbarkeit der Frauen ins Gericht. Heiko Werning von der Berliner Lesebühne „Brauseboys“ schließlich richtete in seinen Satiren wütende Attacken gegen Beamte, Boulevardschwätzer und deutsche Kegelfreunde, dabei mit stilvollem Witz stets ins Schwarze treffend.

Am 19. September war der ukrainischische Dichter, Romancier und Essayist Juri Andruchowytsch zu Gast beim „Literatur Jetzt!“ Etwa 100 Gäste verfolgten die hochinteressante Veranstaltung im Kleinen Haus. Moderator Thomas Geiger stellte den Autor zunächst vor, danach las Juri Andruchowytsch einige seiner Gedichte aus verschiedenen Schaffensphasen. Das Gespräch wandte sich dann der aktuellen Lage in der Ukraine zu. Juri Andruchowytsch las seinen Beitrag zu dem Band „Euromaidan“, in dem er in persönlicher Weise die entscheidenden Ereignisse der zurückliegenden Revolution schilderte. Im Gespräch mit Thomas Geiger ging es schließlich auch um die Hintergründe des Geschehens und den Mangel an europäischer Solidarität. Ein humorvoller und zugleich berührender, poetischer wie politischer Abend.

Am 20. September stellte Selma Wels zusammen mit ihrem Mann Kai Wels den in ihrem Verlag binooki erschienenen Band „Gezi. Eine literarische Anthologie“ im Jazzclub Tonne vor. In einer Lesung wurde das vielstimmige Buch, in dem verschiedenste Stimmen der türkischen Protestbewegung vereinigt sind, für das Publikum lebendig. Als Kenner der politischen Lage in der Türkei beantworteten die beiden auch Fragen des Publikums zur aktuellen Lage und den Beweggründen der Demonstranten in Istanbul. Das im Anschluss geplante Konzert von BaBa ZuLa musste wegen einer Absage der Band leider entfallen, dafür legten die Dresdner DJs Ehud Goldstein und Said sur la Place nach der Lesung noch tanzbare Musik auf.

Der 21. September begann mit dem „Literarischen Frühschoppen“ im Alten Wettbüro, wo der Autor Jörg Albrecht seinen Roman „Anarchie in Ruhrstadt“ (Wallstein) vorstellte. Das Buch ist eine wilde und komische Zukunftsvision über ein zur Riesenstadt vereinigtes Ruhrgebiet, in dem die Vertreter der Kreativwirtschaft die Herrschaft an sich gerissen haben. Dem experimentellen Ton des Romans entsprach seine Vorstellung: Jörg Albrecht las nicht nur mehrstimmig und ausdrucksvoll, sondern kombinierte den Text auch noch mit filmischen und musikalischen Elementen. Für die etwa 30 Gäste stand neben der Dichtung auch ein reichhaltiges Buffet bereit.

Am 21. September endete abends das Festival „Literatur Jetzt“ des Jahres 2014 mit der Lesung von Harald Martenstein. Der beliebte Kolumnist von „Zeit“ und „Tagesspiegel“ las eine Auswahl seiner Kolumnen, die ebenso oft Zorn zum Ausdruck bringen wie bei manchen Lesern auslösen. Die etwa 200 Gäste in der Schauburg reagierten hingegen erwartungsgemäß begeistert auf die heiteren Alltagsbeobachtungen und polemischen Attacken auf mediale Hysterien und politische Blockaden.

Sonntag, 21. September: Harald Martenstein

Der bekannte Kolumnist und Autor Harald Martenstein liest zum Festival “Literatur Jetzt!” aus den Kolumnen, die er regelmäßig für den “Tagesspiegel” und das Magazin der “Zeit” schreibt. Martenstein ist ein höchst beliebter Autor und Kolumnist, dessen Themenspektrum weit gefächert ist: Bahncard, Väter, Täter und Opfer, Frauen in der Politik, Prostitutionsverbot, Zigeunerschnitzel und FDP – wenn der Mann zornig wird, ist nichts und niemand mehr vor ihm sicher. Martenstein scheut auch vor Provokationen nicht zurück und hat schon so manche Debatte ausgelöst. Der 1953 geborene Autor lebt heute in Berlin und in Gerswalde (Uckermark). Er wurde u.a. mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis (2004) und dem Henri Nannen-Preis (2008) geehrt. Neben seinen in mehreren Bänden gesammelten Kolumnen hat er auch die Romane “Heimweg” und “Gefühlte Nähe” veröffentlicht.

Harald Martenstein | 21.09. | Sonntag | 20 Uhr | Schauburg | Vorverkauf: 10 Euro ermäßigt / 14 Euro, Abendkasse: 13 Euro ermäßigt / 18 Euro

Sonntag, 21. September: Literarischer Frühschoppen mit Jörg Albrecht – „Anarchie in Ruhrstadt“

Der “Literarische Frühschoppen” bietet bei “Literatur Jetzt!” auch in diesem Jahr wieder einen poetischen Brunch, also Dichtung im Verein mit Speis & Trank. In einer vielstimmigen Performance-Lesung rast der Autor und Dramatiker Jörg Albrecht mit uns durch eine Landschaft, die wir heute noch das “Ruhrgebiet” nennen. Doch im Jahr 2044 wird aus 53 Städten eine geworden sein: Ruhrstadt – Anziehungspunkt für alle Ausgestoßenen und systematisch Entrechteten. Gemeinsam versuchen sie sich an kreativer Erneuerung in den Räumen der Postindustrie. Wo einstmals Kohle gefördert und Stahl gegossen wurde, malochen jetzt Designer, Autoren und Musiker. Ihre Unternehmung ist Kunst. Und dabei treffen sie auf Menschen, für die Kunst vor allem ein Unternehmen ist. Im September 2044 suchen sich zwei in Ruhrstadt: Julieta und Rick. Getrennt voneinander taumeln sie durch eine gelebte Freakshow; von Camp Lintfort über Trans Town und durch Dschungelburg, immer dem Goldschatz von Unna hinterher! Bis sich vor ihren Augen die Utopie als Illusion entpuppt und die Welle mit ihnen zurückschlägt: It’s capitalism, stupid!

Literarischer Frühschoppen: Jörg Albrecht: “Anarchie in Ruhrstadt” | 21.09. | Sonntag | 11 Uhr | Altes Wettbüro | Vorverkauf: 13 Euro zzgl. Gebühr, Morgenkasse 16 Euro – Preis inklusive Brunch!

Sonnabend, 20. September: Lesung „Gezi. Eine literarische Anthologie“ und Festival-Party mit Ehud Goldstein und Said sur la Place

Als sich im Mai 2013 erstmals hunderte Demonstranten im Istanbuler Gezi-Park versammelten, ging es zunächst darum, einen Park im Herzen der Stadt zu schützen, der durch ein Einkaufszentrum verdrängt werden sollte. Binnen weniger Tage wurde daraus ein vielstimmige Protest- und Demokratiebewegung, wie sie die Türkei in dieser Vielfalt noch nie erlebt hatte. Seitdem steht das Wort “Gezi” synonym für Aufbruch und Umbruch, gesellschaftliche Utopien, Selbstbestimmung und Solidarität.

Kann daraus Literatur werden, noch dazu in kürzester Zeit? Aber sicher! Selma Wels, Verlegerin des auf deutsche Übersetzungen türkischer Literatur spezialisierten Berliner Verlags binooki, liest im Jazzclub Tonne im Rahmes des Festivals “Literatur Jetzt!” mit ihrem Mann Kai Wels aus “Gezi – eine literarische Anthologie”. Das im Mai dieses Jahres erschienene Buch stammt mitten aus der Bewegung und enthält Erzählungen, Satiren, Manifeste und Tagebuchnotizen. Es lebt von der Unmittelbarkeit und Ehrlichkeit der Beiträger und lässt erahnen, zwischen welchen Polen die Gemütslage der Protestierenden oszillierte: Sanftmut und Aggression, Romantik und Intellektualität, Hoffnung und Enttäuschung.

Im Anschluss an die Lesung gibt es die Party zum Festival “Literatur Jetzt!” Als DJs legen auf: Ehud Goldstein und Said sur la Place.

“Gezi – eine literarische Anthologie” & Festival-Party | 20.09. | Sonnabend | 20 Uhr | Jazzclub Tonne | Abendkasse: 5 Euro ermäßigt / 7 Euro

Freitag, 19. September: Juri Andruchowytsch – Lesung & Gespräch

Der ukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch gilt als einer der wichtigsten Intellektuellen Europas. Ein streitbarer Autor zwischen politischem Engagement und literarischer Vielschichtigkeit. Sein Werk wurde vielfach mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet, u. a. 2006 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Andruchowytsch nimmt das Motto “Zorn” des diesjährigen Festivals “Literatur Jetzt!” wörtlich, liest und spricht mit Thomas Geiger vom Literarischen Colloquium Berlin über die Liebe, die Ukraine und die mächtigen Banditen.

“Werwolf Sutra” heißt ein Gedichtband des bekannten ukrainischen Schriftstellers Juri Andruchowytsch, der in den 80er Jahren als rebellischer Lyriker seine Laufbahn begann und heute zu den unverwechselbar prominenten Stimmen der osteuropäischen Literaturszene zählt. Die von Andruchowytsch mitbegründete Gruppe BuBaBu (Burlesk-Balagan-Buffonada) galt in der Ukraine als poetischer Aufbruch im Geist der Moderne. Bereits damals ging es um eine Poesie, die sich vom Sozialistischen Realismus mit frechen Pointen und gezielten Tabubrüchen absetzt. Poetische Spielfreude trifft in den Texten dieses Autors – songhaften Versen über Liebe, Alltag, Geschichte und Gegenwart – auf Weltläufigkeit. Mehrere Romane des Schriftstellers liegen auch auf Deutsch vor, zuletzt erschien 2011 “Perversion”, in dem es um Abweichungen von der Norm und die Ukraine als fantastischen Raum geht. Anfang Februar 2014 schrieb Juri Andruchowytsch einen “Offenen Brief zur Lage in der Ukraine”, der weite Verbreitung fand und in vielen Zeitungen abgedruckt wurde. Jurij Andruchowytsch wurde 1960 in Iwano-Frankiwsk, Ukraine geboren und mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnet, u.a. 2006 mit dem “Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung”.

Juri Andruchowytsch | 19.09. | Freitag | 20 Uhr | Kleines Haus | Vorverkauf / Abendkasse: 7 Euro ermäßigt / 12 Euro