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Festival „Literatur Jetzt!“ 2012 endete am Sonntag – ein Resümee

Am Sonntag, den 21. Oktober, endete mit der Vorführung des Films „Das Schreiben und das Schweigen“ über die Schriftstellerin Friederike Mayröcker im Kino Thalia das vierte Dresdner „Festival zeitgenössischer Literatur“ unter dem Titel „Literatur Jetzt!“. Seit dem 17. Oktober konnte das Festival bei sieben Veranstaltungen mit knapp 30 beteiligten Autoren, Verlegern und anderen Künstlern über 800 Zuschauer begrüßen. Damit gelang es „Literatur Jetzt!“, noch einmal 60 % mehr Gäste als im Vorjahr anzulocken. Auch das Ziel, verschiedenste Gruppen gemeinsam anzusprechen, gelang: Zu den Lesungen an so verschiedenen Orten wie der scheune, der Groove Station, der Galerie geh8, dem Kino Thalia und dem Deutschen Hygiene-Museum strömten Schüler und Studenten ebenso wie älteres Publikum, Literaturkenner ebenso wie Neugierige.

Am 17. Oktober hatte die „Nacht der Lesebühnen“ in der Groove Station das Festival eröffnet: Knapp 100 Gäste hörten Texte von vier Protagonisten der satirischen Literatur: Uli Hannemann las komische Miniaturen über das Leben in Berlin, Jacinta Nandi präsentierte ganz eigene Thesen zum Feminismus, Maik Martschinkowsky beeindruckte mit kunstvollen Beiträgen zur Systemkritik und Max Rademann entführte die Zuhörer in den Kulturraum Erzgebirge. Gleichzeitig präsentierte im Kino Thalia beim „Voland & Quist Literatursalon“ der tschechische Autor Jaroslav Rudiš seine Graphic Novel „Alois Nebel“ – nicht einfach mit einer Lesung, sondern einem multimedialen Making-Of von Buch und 2011 entstandenem Film, den die Gäste im Anschluss ebenfalls sehen konnten.

Am 18. Oktober strömten etwa 200 Zuschauer in die scheune zum „LivelyriX Poetry! Poetry Slam“. Bei der Spezialausgabe des beliebten Dichterwettbewerbs stand diesmal die Poesie im Mittelpunkt. Neben den Autoren Julian Heun, Daniel Hoth, Dalibor Markovic, Stefan Seyfarth und Svenja Gräfen begeisterte auch der Berliner Liedermacher Jan Koch. Am Schluss wählten die Zuschauer gleich zwei Sieger des Abends: Dalibor und Daniel Hoth. Gleichzeitig gastierte im Deutschen Hygiene-Museum in der Reihe „Literarische Alphabete“ des Literaturforums Dresden der Autor Peter Kurzeck. Der auch in Dresden offenkundig beliebte Schriftsteller las dabei nicht nur aus seinem 1200 Seiten dicken Roman „Vorabend“, sondern stellte im Gespräch mit Moderator Patrick Beck auch seine viel gerühmte Kunst des spontanen Erzählens unter Beweis. 120 Dresdner lauschten.

Am 19. Oktober fanden erfreulich viele interessierte Zuhörer den Weg in den Kunstraum geh8: Moderiert vom Dresdner Publizisten Hans-Peter Lühr, unterhielten sich der Fotograf Werner Lieberknecht und der Schriftsteller Marcel Beyer über das Verhältnis von Fotografie und Poesie und die Möglichkeiten zur wechselseitigen Befruchtung der beiden Künste. Die Gäste konnten dabei einem von Lieberknechts Fotografien inspirierten Gedicht Beyers lauschen und gleichzeitig die im Kunstraum präsentierten Lichtbilder betrachten.

Am 20. Oktober fand, wiederum im Kunstraum geh8, ein weiterer Höhepunkt des Festivals statt. Im Laufe des ganze Tages fanden etwa 200 Dresdner den Weg zum „Independents’ Day“, der „Nacht der unabhängigen Verlage„. Unter anderen stellten die Verlage Ventil, Binooki und Lilienfeld ihre Programme vor. Sodann diskutierten die Verleger Ingo Rüdiger, Selma Wels und Axel von Ernst mit den Moderatoren Helge Pfannenschmidt und Leif Greinus über die Freuden und Leiden des unabhängigen Verlegens, die Verhältnisse auf dem Buchmarkt und die Chancen der jungen Literatur. Der Abend endete mit vier Vertretern eben dieser: Norbert Lange trug kunstvoll einige seiner Gedichte vor, Felicia Zeller las Geschichten aus ihrem Buch Einsam lehnen am Bekannten, Nancy Hünger präsentierte einen Prosatext aus ihrem Band Halt dich fern und Jan Off las in bekannt mitreißender Weise zwei Geschichten und ein Poem zum Thema Punkrock.

Das Festival „Literatur Jetzt“ 2012 wurde vom LivelyriX e.V. in Zusammenarbeit mit dem Literaturforum Dresden und zahlreichen weiteren Partnern organisiert. Die Programmgestaltung lag in den Händen von Leif Greinus (Verlag Voland & Quist), Helge Pfannenschmidt (Verlag edition AZUR), Volker Sielaff (Autor) und Michael Bittner (Autor). Gefördert wurde das Festival von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank und der Landeshauptstadt Dresden. Eine neue Ausgabe im Jahr 2013 ist geplant.