Programm

Uwe Timm: „Ikarien“

Foto Uwe Timm: © Gunter Glücklich

 

Ein Abend mit Uwe Timm und seinem Verleger Helge Malchow, Kiepenheuer & Witsch

Der Schriftsteller Uwe Timm stellt zusammen mit seinem langjährigen Verleger Helge Malchow das Projekt seines großen zeitgeschichtlichen Romans IKARIEN vor, in dem er sich mit der Geburt der Rassenhygiene aus dem Geist der Utopie eines „Neuen Menschen“ befasst. Damit greift dieser Abend auch ein zentrales Thema der Sonderausstellung RASSISMUS. Die Erfindung von Menschenrassen auf.

Zur historischen „Stunde Null“ nach 1945 soll sich der deutschstämmige amerikanische Offizier Michael Hansen im Auftrag der amerikanischen Psychological Warfare Division in Deutschland mit der Karriere jener wissenschaftlichen und politischen Obsession beschäftigen, die als Eugenik bzw. in der deutschen Bezeichnung der „Rassenhygiene“ die Euthanasie-Verbrechen des NS-Staates vorbereiten half und als deren Rechtfertigung diente. Im Fokus von Hansens Interesse steht der führende deutsche Protagonist dieser seinerzeit internationalen Bewegung: der Eugenik Alfred Ploetz. Die Biographie des 1860 geborenen und 1940 verstorbenen Arztes, der den deutschen Begriff der „Rassenhygiene“ geprägt hat, wird aus den Erinnerungen von dessen früherem Weggefährten Wagner rekonstruiert. Titelgebend für das Buch und utopischer Fluchtpunkt der darin diskutierten Gesellschaftsmodelle ist die kommunistische Gemeinschaft „Ikarien“, wie sie in dem gleichnamigen Buch des französischen Frühsozialisten Étienne Cabet 1840 entwickelt wurde. Aber lässt sich eine gesellschaftliche Ordnung rational wie auf dem Reißbrett planen? Und welche Verantwortung hat die Wissenschaft auch und gerade in ihrem Verhältnis zur Politik?

Uwe Timm, 1940 geboren, lebt und arbeitet seit 1971 als freier Schriftsteller. Sein literarisches Werk erscheint im Verlag Kiepenheuer & Witsch, zuletzt „Vogelweide“ (2013), „Freitisch“ (2011), „Am Beispiel eines Lebens“ (2010), „Am Beispiel meines Bruders“ (2003, mittlerweile in 17 Sprachen übersetzt), „Der Freund und der Fremde“ (2005) und „Halbschatten“ (2008). Uwe Timm wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. 2009 mit dem Heinrich-Böll-Preis und 2018 mit dem Schillerpreis.

 

Uwe Timm: „Ikarien“ | Deutsches Hygiene-Museum, Großer Saal | 14. November | Mittwoch | 19 Uhr | Eintritt: 12 Euro / ermäßigt 8 Euro | Karten im Vorverkauf