Hanns-Josef Ortheil liest aus „Der Stift und das Papier“

Hanns-Josef Ortheil, der 1951 in Köln geboren wurde, hat bis zu seinem achten Lebensjahr nicht gesprochen – genau wie seine Mutter, die aufgrund des traumatischen Verlusts ihrer vier älteren Söhne im Krieg und in der Nachkriegszeit verstummt war. Erst durch den täglichen, unkonventionellen Schreibunterricht seiner Eltern konnte Ortheils Sprachstörung allmählich behoben werden, und schon als Zwölfjähriger veröffentlichte er erste Erzählungen. Das Schreiben wurde immer mehr zu einem existentiellen Medium des Überlebens. Die Musik hatte für den anfangs Sprachlosen die größte Bedeutung. Der pianistischen Ausbildung in Rom, die er krankheitsbedingt aufgab, folgte das Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Germanistik, Promotion sowie Lehrtätigkeiten an verschiedenen Universitäten.

 

In seinem 2015 erschienenen autobiografischen Roman „Der Stift und das Papier“ (2015) greift Hanns-Josef Ortheil das Thema seines Romans „Die Erfindung des Lebens“ auf und beschreibt, wie er, der im dritten Lebensjahr verstummte, durch das Schreiben wieder zur Sprache fand. Der vielfach ausgezeichnete Autor ist seit 2002 Professor für kreatives Schreiben in Hildesheim. Seinen kindlichen Mutismus hat er in einigen seiner zahlreichen Romane thematisiert, so z.B. in „Die Moselreise. Roman eines Kindes“ (2010) oder in „Die Erfindung des Lebens“ (2009). Neben Romanen schreibt Ortheil auch Monographien, Libretti und Dramen und Erzählungen.

 

Die Lesung wird moderiert von der Literaturwissenschaftlerin und MDR-Redakteurin Katrin Schumacher.

 

Hanns-Josef Ortheil: „Der Stift und das Papier“ | 13.11. | Sonntag | 16 Uhr | Deutsches Hygiene-Museum, Großer Saal | Eintritt im Vorverkauf (zzgl. Gebühren)/Abendkasse: 10/6€

 

Foto von Hanns-Josef Ortheil: Lotta Ortheil