„Hugo Ball – Der Dadaist als magischer Bischof“ – Vortrag von Michael Braun

„Ganz Deutschland soll wieder katholisch werden!“ Wer spricht so? Ein religiöser Fundamentalist, ein Sektierer, ein Wirrkopf? Nein, ein literarischer Revolutionär – der Dichter, Dadaist und Mystiker Hugo Ball. In seinem berühmten Auftritt vor hundert Jahren am 23. Juni 1916 im Cabaret Voltaire in Zürich inszenierte Ball im kubistischen Kostüm und bizarrem Schamanenhut eine innere Zerreißprobe – er wollte mit seinen „Versen ohne Worte“ alle ästhetischen und moralischen Regelsysteme abschütteln, blieb aber seiner katholischen Prägung zutiefst verhaftet. Die geistige Vereinigung des schier Unvereinbaren, die Synthetisierung von Kommunismus und katholischer Kirche – das war das große Projekt Hugo Balls. Seinen Freunden ging er damit auf die Nerven. Und uns?

 

Der Publizist, Literaturkritiker, Herausgeber und Rundfunkjournalist Michael Braun ist der wahrscheinlich kundigste Experte auf dem Gebiet der deutschsprachigen Poesie, den wir heute haben. Seine Publikationsliste ist lang: Bücher zur modernen Lyrik, Anthologien, Sammelbände, etwa über Hugo Ball, den „magischen Bischof der Avantgarde“. Wer die Strömungen der Lyrik des 20. und 21. Jahrhunderts verstehen will, muss Michael Braun lesen. Vielen bekannt ist er als Kritiker der Sendung „Büchermarkt“ des Deutschlandfunks und als Herausgeber des jährlichen „Lyrik-Taschenkalenders“. Michael Braun lebt in Heidelberg.

 

„Hugo Ball – Der Dadaist als magischer Bischof“ – Vortrag von Michael Braun | 12.11. | Sonnabend | 19 Uhr | Deutsches Hygiene-Museum, Kleiner Saal | Abendkasse: 7/4€

 

Foto von Hugo Ball im Cabaret Voltaire 1916: unbekannter Fotograf