Museum der Poesie – lyrische Lesung mit Ulrike Feibig, Els Moors und José F.A. Oliver

Die viel beschworene Renaissance der Lyrik in den vergangenen Jahren ist, wenn man genau hinschaut, eine Renaissance der live gelesenen Lyrik: eine Renaissance der Performance, der Stimme und des Auratischen. Für das Format „Museum der Poesie“ haben wir drei Dichterinnen und Dichter eingeladen, die exemplarisch für diesen Trend stehen – weil ihre Verse durch den Vortrag nochmals eine ganz neue Form annehmen oder erst durch den Vortrag komplett werden. Und dem besonderen Vortrag gebührt auch eine besondere Bühne: Gelesen wird inmitten in der Sprachen-Ausstellung des Deutsche Hygiene-Museums, das sich für eine Nacht in ein Museum der Poesie verwandelt.

 

„Museum der Poesie“ ist mehr als eine Lesung: Raum wird Stimme wird Klang. Oliver. Moors. Feibig. Drei lyrische Stimmen an drei Orten – drei Wege, das eigene Werk zu performen in Korrespondenz zu Szenografie und Exponaten der Ausstellung. Hinzu kommt die Musik: der Saxofonist Mark Weschenfelder (Leipzig).

 

Els Moors nimmt den weiten Weg aus Flandern auf sich, um in Dresden dabei zu sein. In diesem Frühjahr erschien ihr Band „Lieder vom Pferd über Bord“ bei Brüterich Press, inzwischen eine der feinsten Adressen für Gegenwartslyrik. Es sind freche, episodische von einem skurrilen Humor durchzogene Texte, die von kleinsten semantische Verrückungen und Verrücktheiten leben. Die deutschen Versionen liest die Dresdner Dichterin Undine Materni.

 

Den kürzesten Anreiseweg hat Ulrike Feibig aus Leipzig, die in diesem Frühjahr mit dem Band „perlicke, perlacke, mein Herz schlägt“ im Poetenladen debütierte. Er überrascht mit Gedichten, Collagen und Wortzaubereien und operiert in einem Bereich, in dem Worte nicht nur Bilder evozieren, sondern ganze Welten real werden lassen.

 

José F. A. Oliver ist nicht nur ein gefeierter Dichter und Essayist, sondern auch Erfinder des vielleicht schönsten Literaturfestes des Landes, des Hausacher Leselenzes im Schwarzwald. Er liest seine Gedichte nicht nur vor, manchmal singt er sie auch, rappt – beispielsweise mit dem Rapper Doppel-U – oder seine Gedichte werden getanzt, so geschehen am Sydney Opera House. Zuletzt erschien bei Matthes & Seitz „21 Gedichte aus Istanbul, 4 Briefe und 10 Fotow:orte“.

 

Museum der Poesie | 12.11. | Sonnabend | 21 Uhr | Deutsches Hygiene-Museum, Ausstellung SPRACHE | Abendkasse: 10/6€

 

Foto von José F.A. Oliver: Yves G. Noir