Wir müssen reden

Wir müssen reden, ganz einfach weil wir Menschen sind. Denn die Sprache ist mehr als nur das Kleid unserer Gedanken. In gewisser Weise ist die Sprache das Denken selbst, das Material, aus dem wir uns die Welt erst erschaffen. Zugleich ist sie aber auch das Medium, in dem wir mit anderen Menschen kommunizieren und mit dem wir Konflikte ohne Gewalt lösen können. Literatur verfügt über ein besonderes Sensorium für diese Vielschichtigkeit und den Reichtum von Sprache – aber auch für die Abgründe, die sich in ihr auftun können.

 

Wir müssen reden, weil wir vor großen politischen und kulturellen Herausforderungen stehen. Auf die aktuellen Umwälzungen unserer Gesellschaften reagieren derzeit viele Menschen mit Verunsicherung und Aggressivität. Nicht nur in der Anonymität der sozialen Netzwerke wird heute mit immer drastischeren sprachlichen Mitteln um die politische und soziale Deutungshoheit gekämpft. Vor diesem Hintergrund versteht sich das Festival Literatur jetzt! 2016 auch als ein kritischer Diskussionsbeitrag zum Zustand unserer Debattenkultur. Wie verschieben sich sprachliche Standards? Bleiben Fähigkeiten wie Empathie und Sensibilität auf der Strecke, die für eine funktionierende Demokratie unverzichtbar sind? Viele der eingeladenen Autorinnen und Autoren analysieren gewaltsame und verletzende Sprechweisen, andere begeben sich auf die Suche nach Worten für neuartige Erfahrungen in einer von Migration und multiplen Identitäten gekennzeichneten Welt.

 

Die achtzehn Veranstaltungen des Festivals setzen sich mit vier unterschiedlichen Aspekten von Sprache auseinander: Sprache und Macht, Sprache und Stimme, Sprache und Identität, Sprache und Wissen. Neben Autorenlesungen, Poetry Slams und Vorträgen werden Diskussionen des Publikums mit den Akteuren einen breiten Raum einnehmen. Zugleich aber wird auch die Kraft und die Schönheit der Poesie eine wichtige Rolle spielen im Zusammenklang mit der Sprache der Musik – und mit den Räumen eines Museums. Denn Anlass und Hintergrund der Kooperation von Livelyrix e.V. und Deutschem Hygiene-Museum (www.dhmd.de) ist die aktuelle Sonderausstellung Sprache. Welt der Worte, Zeichen, Gesten, die vom 24. September 2016 bis zum 20. August 2017 zu sehen ist. Es gibt also mehr als einen Grund, bei diesem Fest der Literatur vorbeizuschauen!