Was wäre der Preis für einen Sieg über die Sonne? Ein Leben im Untergrund mit Kunstlicht in ewiger Dunkelheit? Der Titel der Ausgabe des Festivals Literatur Jetzt! im Jahr 2018 zitiert die gleichnamige russische Oper aus dem Jahr 1913, die als erstes futuristisches Gesamtkunstwerk gilt. Das skandalträchtige Werk, an dessen Entstehung Welimir Chlebnikow, Kasimir Malewitsch und andere Avantgardisten beteiligt waren, schildert den Triumph der menschlichen Ingenieurskunst über die Sonne. Einerseits feierte die Oper die technische Bändigung der elementaren Energie unseres Zentralgestirns, andererseits wies sie bereits prophetisch auf die politische Sonnenfinsternis voraus, die aus einer zur totalitären Herrschaft verkommenen Utopie entstehen sollte.

Das Festival Literatur Jetzt! findet im zehnten Jahr seines Bestehens zum zweiten Mal in Kooperation mit dem Deutschen Hygiene-Museum statt – diesmal parallel zur Sonderausstellung Shine on me. Wir und die Sonne. Wie die Ausstellung umkreist auch das Festival die Sonne als das lebensspendende, potenziell aber auch zerstörerische Zentrum unseres Kosmos. In den meisten Kulturen der Menschheit erscheint die Sonne bis heute als ein grandioses poetisches, religiöses und politisches Symbol, als Sinnbild einer Kraft, die über alles menschliche Maß hinausgeht. Im Dialog von Literatur, Solarforschung und Kulturwissenschaft vermisst das diesjährige Literaturfest diesen Raum zwischen Utopie und Untergang, zwischen dem Alltäglichen und dem Spektakulären, das sich immer aufs Neue unter der Sonne vollzieht.

Wir – die Menschen – sind ihr – der Sonne – vollkommen egal. Aber was bedeutet sie uns und vor allem der Literatur, aus der sie nicht wegzudenken ist – egal, ob sie gerade auf- oder untergeht? Literatur Jetzt! 2018 bietet ein energiegeladenes Programm aus Lesungen prominenter Autorinnen und Autoren, Buchvorstellungen, Podiumsgesprächen und multimedialen Aktionen, einen Poetry Slam und ein poetisches Stationendrama sowie einen Familientag mit Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene.

Das Festival findet in Medienpartnerschaft mit der Sächsischen Zeitung und in Zusammenarbeit mit MDR Kultur statt. Es wird gefördert von der Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur und Denkmalschutz, und von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.

 

Werfen Sie gerne einen Blick auf unser komplettes Programm – daraus hier einige Höhepunkte: