Programm 2024

Fr 27.09.

Tickets
17:00 Zentralwerk Eintritt: Vorverkauf 7/10, Abendkasse 10/13 Euro

Dynamit und Hungerstreik. Friedemann Karig und Loel Zwecker sprechen über Aktivismus und Protest

Fotos: Friedemann Karig: Tobias Lehmann; Loel Zwecker: Marie Staggat

Vor den Ministerien landen Misthaufen und auf Gemälde fliegt Kürbissuppe. Hungerstreikende setzen ihr Leben auf Spiel, um politisches Handeln zu erwirken. In Hongkong kann man für das Tragen eines Regenschirms bei schönstem Wetter mehrjährige Haftstrafen bekommen. Und in Russland kann selbst ein öffentlicher Kuss als Terrorismus gelten. Die Formen des politischen Widerstandes sind genauso vielfältig wie deren Ziele. Wie artikuliert sich Protest heutzutage? Was kann er überhaupt noch erreichen? Diesen Fragen nähern sich Friedemann Karig und Loel Zwecker in ihren aktuellen Büchern. Beide sind Autoren und Journalisten und sie mischen sich gern ein in gesellschaftspolitische Debatten, die Gehör finden sollen. Beim unserem Festival geben sie einen Einblick in die Geschichte des Protests und wie er in der Gegenwart wirksam werden kann. Das Gespräch wird moderiert von Dagmar Ellerbrock, Professorin für Neuere und Neueste Geschichte an der TU Dresden.

Über Friedemann Karigs Buch „Was ihr wollt: Wie Protest wirklich wirkt“:

Der Mensch kann brutal egoistisch sein, selbstgerecht und rücksichtslos. Dennoch: Wenn erst einmal eine kleine kritische Masse für ein größeres Ziel in Bewegung kommt, kann sie unaufhaltsam werden in ihrer Wirkmacht und revolutionäre Veränderungen schaffen. Kaum eine Errungenschaft unserer Demokratien wäre ohne kollektiven Mut denkbar gewesen. Viele der heute drängenden Kämpfe ‒ allen voran den um unsere Lebensgrundlagen ‒ haben die meisten jedoch nicht einmal begonnen. Politik und die eigene Einwirkung darauf scheint für zu viele Menschen zu weit entfernt. Wie lässt sich das ändern? Dafür müssen wir uns entscheidenden Fragen widmen: Was kann und will Aktivismus und Protest? Welche Mechanismen stehen dahinter? Wie organisiert sich effizientes Engagement? Wann setzen sich Menschen in Bewegung? Und wie viele müssen sich trauen, um die anderen mitzureißen? Mit Verve und Humor durchmisst Friedemann Karig Theorie und Praxis des Aufbegehrens. Er betrachtet historische wie aktuelle Protestbewegungen, deren Beispiele zeigen, dass hartnäckiger Protest und ziviler Ungehorsam Fundamentales ausrichten können. Karigs Buch verdeutlicht unsere riesige Chance, viel mehr erreichen zu können, als heute möglich scheint ‒ auch, weil es vom vielleicht kostbarsten Gut unserer Tage erzählt: der Hoffnung.

Über Loel Zweckers Buch „Die Macht der Machtlosen“:

Die größten Verbesserungen der Welt verdanken wir Unbekannten – Zeit, sie kennenzulernen!
Wer errang die großen positiven gesellschaftlichen Veränderungen unserer Welt? Nicht die Fürsten, Präsidenten und Philosophen. Es waren einfache Leute. Sie legten »von unten« den Grundstein für die Abschaffung der Sklaverei, das Ende des Feudalsystems und der Unterdrückung der Frauen. Loel Zwecker erzählt die Geschichte der Namenlosen vom Mittelalter bis heute und gibt ihnen eine Stimme. Überraschend aktuell und inspirierend mit Blick auf die Herausforderungen der Gegenwart. Ein Hoch auf die Macht der Machtlosen! Die großen positiven gesellschaftlichen Veränderungen unserer Welt verdanken wir Menschen, die von der Geschichtsschreibung vergessen wurden. Zu Unrecht. Benjamin Lay setzte erstmals auf Empathie als politisches Mittel, um den Mitgliedern seiner Glaubensgemeinschaft die Unhaltbarkeit der Sklaverei vor Augen zu führen. Mother Jones organisierte einen »Kreuzzug« gegen Kinderarbeit und forderte John Rockefeller heraus. Wat Tyler verlangte bereits im Mittelalter die Aufhebung der Standesunterschiede in England und die Umverteilung großer Reichtümer. Catharina Linck, Knopfmacherin aus Halle, liebte Frauen, brach mit Geschlechterrollen und trat für mehr Diversität bei der sexuellen Orientierung ein. Loel Zwecker holt ihre und weitere bewegende Geschichten aus der Vergessenheit. Er zeigt 700 Jahre Geschichte aus einer neuen Perspektive: als Reservoir an Ideen, realistischen Utopien, praktischen Entwürfen, vorbildlichen Haltungen, Strategien, Methoden und Aktionen – gegen Ungleichheit und Autokratie, für mehr Demokratie, eine progressive Politik, nachhaltiges und gemeinwohlorientiertes Wirtschaften. Ein kluger wie spannender Blick in die Vergangenheit als Empowerment für jetzt und die Zukunft, ein Geschichtsbuch, das Mut macht.

Einlass 16:30 Uhr